| Name | Staubbachfall |
| Stufenhöhe | 297 m |
| Koordinaten | 2 635744 1 159914 |
| Kopfzone | übergangslos |
| Fallzone | einfach freifallend |
| Prallzone | Schuttkegel |
| Gewässername | Staubbach |
| Einzugsgebietsgrösse | 2,3 km2 |
| Gemeinde | Lauterbrunnen |
Gesang der Geister über den Wassern
Auf seiner zweiten Reise durch die Schweiz 1779/1780 besuchte Johann Wolfgang von Goethe das romantische Lauterbrunnental. Der berühmte Staubbachfall, der 297 m über die Mürrenflue fällt, inspirierte Goethe Anfang Oktober 1779 zum Vergleich der menschlichen Seele mit dem natürlichen Kreislauf des Wassers und des menschlichen Schicksals mit dem Wind. Der Grundstein zum Gedicht war damit gelegt. An Charlotte von Stein schreibt Goethe: «... wir haben den Staubbach bei gutem Wetter zum ersten Mal gesehen und der blaue Himmel schien durch. An den Felsenwänden hingen Wolken, selbst das Haupt, wo der Staubbach herunter kommt, war leicht bedeckt. Es ist ein sehr erhabener Gegenstand.» Das Gedicht wurde 1789 veröffentlicht:
Des Menschen Seele Gleicht dem Wasser: Vom Himmel kommt es, Zum Himmel steigt es, Und wieder nieder Zur Erde muß es, Ewig wechselnd. Strömt von der hohen, Steilen Felswand Der reine Strahl, Dann stäubt er lieblich In Wolkenwellen Zum glatten Fels, Und leicht empfangen, Wallt er verschleiernd, Leisrauschend Zur Tiefe nieder. Ragen Klippen Dem Sturz entgegen, Schäumt er unmutig Stufenweise Zum Abgrund. Im flachen Bette Schleicht er das Wiesental hin, Und in dem glatten See Weiden ihr Antlitz Alle Gestirne. Wind ist der Welle Lieblicher Buhler; Wind mischt vom Grund aus Schäumende Wogen. Seele des Menschen, Wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, Wie gleichst du dem Wind!